Die vier Angebote des ambulanten Skillstrainings

  • Einzeltherapie: eine Behandlungsstunde pro Woche

  • Telefonberatung: bei Spannungszuständen vor Selbstverletzung

  • Skillstraining in der Gruppe: jeden Mittwoch

Information zur Borderline-Störung

Die Borderline-Störung ist vor allem eine Störung der Emotionsregulation.

  • Menschen mit einer Borderline-Störung haben meistens Probleme, Gefühle zu steuern, d.h., sie haben eine Störung der Emotionsregulation.
    Sie werden häufig von schmerzhaften Gefühlen überflutet.

  • Impulsive und selbstschädigende Verhaltensweisen sind häufig kurzfristige Versuche, schmerzhafte Gefühle zu beenden.

  • Der Versuch, schmerzhafte Gefühle zu vermeiden, führt häufig zu starken Einschränkungen im Alltag.

Ein Hauptmerkmal der Borderline-Störung ist eine sehr plötzlich auftretende starke innere Anspannung, die sich nicht eindeutig einem Gefühl zuordnen lässt.
(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Störungen in 5 Bereichen

Die Probleme von Borderline-Patienten können in 5 Störungsbildern gegliedert werden:

1.) Störungen der Emotionsregulation

  • Stimmungsschankungen

  • Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern

2.) Störungen des Denkens

  • Dissoziationen (Verzerrung von Zeit-, Raum- und Körperwahrnehmung)

  • Flashbacks (Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen)

  • Pseudohalluzinationen (Illusionen, die als Täuschung erkannt werden)

  • Paranoides Denken (Vorstellung, verfolgt zu werden)

  • Negative Grundannahmen (schlechte Meinung von sich selbst)

3.) Störungen der Selbstwahrnehmung

  • Gefühle von Unsicherheit, Fremdheit und Ekel im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper

  • Das Gefühl, „anders“ zu sein, als alle anderen

  • Unsicherheit bezüglich Zukunftszielen, der eigenen Meinung, wichtiger Entscheidungen und Alltagsentscheidungen

4.) Störungen im zwischenmenschlichen Bereich

  • Intensive und unsichere Beziehungen

  • Ein Wechsel zwischen Überbewertung und Abwertung

  • Schwierigkeiten, allein zu sein

  • Angst davor, verlassen zu werden, und Angst vor Nähe

5.) Störungen auf der Verhaltensebene

  • Impulsive und selbstschädigende Verhaltensweisen

  • Hochrisikoverhalten

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Die Bio-soziale Theorie

Was erklärt die Bio-soziale Theorie?

Die Bio-Soziale Theorie erklärt die Entstehung und die Aufrechterhaltung der Borderline-Störung. In aller Regel spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle:

1.) Eine besondere emotionale Sensibilität (Empfindlichkeit im Gefühlsbereich) – dies entspricht dem biologischen Faktor.
2.) Sehr belastende, oft abwertende oder traumatisierende Einflüsse durch das soziale Umfeld – dies entspricht dem sozialen Faktor.

Das Zusammenwirken dieser beiden Faktoren führt zur Anfälligkeit für Störungen der Emotionsregulation!

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Grundlegendes zum Skillstraining

Das Skillstraining für Menschen mit Borderline-Störung wurde von Marsha Linehan in den 80er Jahren entwickelt.

Was sind Skills (Fertigkeiten)?

  • Jedes Verhalten, das in einer schwierigen Situation kurzfristig wirksam ist und dabei langfristig nicht schädlich ist, kann als Skill oder Fertigkeit verstanden werden.

  • Alle Menschen verwenden Skills im Alltag. Häufig setzen wir sie ganz automatisch ein, ohne es zu wissen.

Die vier Schritte der Skillsvermittlung

  • Schritt 1: Vermittlung von theoretischem Wissen

  • Schritt 2: Individuelle Anpassung der Skills

  • Schritt 3: Übungen mit den Skills unter Non-Stress-Bedingungen

  • Schritt 4: Einsatz der Skills als zielförderndes Alternativverhalten

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Behandlungsvertrag

In einer ambulanten Skillsgruppe haben Sie Möglichkeiten, die Stress- und Emotionsregulation kennen zu lernen, diese zu üben und auch anzuwenden.

Alle TeilnehmerInnen an einer Skillsgruppe für Borderline verpflichten sich, die Regeln im Behandlungsvertrag einzuhalten, damit Sie Ihre ganz persönlichen Therapieziele erreichen können. In einem Erstgespräch wird man mit dem Behandlungsvertrag vertraut gemacht und stimmt den Grundlagen der Behandlung zu. Der Behandlungsvertrag wird sowohl von der TeilnehmerIn als auch von der SkillstrainerIn unterschrieben. Sowohl die Leitung als auch die Co-Leitung der Skillsgruppe stimmen im Behandlungsvertrag zu:

  • Jede sinnvolle Anstrengung, um kompetente und effektive Psychotherapie durchzuführen zu unternehmen

  • Die Integrität der Rechte der TeilnehmerInnen sowie die Schweigepflicht zu wahren

  • Mit den eigenen persönlichen Grenzen offen umzugehen und sich Rat und Unterstützung zu holen, wann immer es notwendig ist

Was lernen Sie in den fünf Modulen?

  • Achtsamkeit: Sich selbst und den Augenblick annehmen

  • Stresstoleranz: Krisen und Hochstressphasen bewältigen und ihnen vorbeugen

  • Umgang mit Gefühlen: Gefühle wahrnehmen und sinnvoll steuern

  • Zwischenmenschliche Fertigkeiten: Stabile und angenehme Beziehungen aufbauen

  • Selbstwert: Das Selbstwertgefühl verbessern

Wir arbeiten mit Arbeitsblättern.

Spannungskurve

Was versteht man unter Anspannung?

Anspannung ist der allgemeine Erregungszustand einer Person. Wenn eine Veränderung der Anspannung auftritt, verändern sich auch Körperreaktionen, Gedanken, Gefühle und Verhalten.

Die Einschätzung Ihrer Anspannung kann zwischen 0 und 100% liegen:

0% = bezeichnet einen Zustand ohne Anspannung

70% = Sie denken nur noch daran, Ihren Spannungszustand so rasch wie möglich zu beenden!

100% = bezeichnet einen Zustand mit extrem hoher Anspannung, d.h. Sie fühlen sich zum Zerreißen, die Gedanken rasen, Sie sind scheinbar unfähig, weiter durchzuhalten

Es gibt drei Spannungsdimensionen:

1.) Hochspannung (70-100%)

2.) Mittlere Anspannung (30-70%)

3.) Niedrige Anspannung (0-30%)

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Frühwarnzeichen

Wie verändert sich die Anspannung?

Manchmal denkt man, dass die Anspannung von 0% auf 100% gesprungen ist. Bei genauer Betrachtung wird jedoch meistens deutlich, dass sich die Spannung stufenweise verändert und es Frühwarnzeichen gibt, die man wahrnehmen und beschreiben kann.

Wenn Sie Ihre Anspannung beschreiben, sind folgende vier Merkmale wichtig:
Gedanken, Gefühle, körperliche Merkmale und Verhalten

Welche Merkmale des Hochstressbereichs spüren Sie schon im mittleren Bereich? Das sind Ihre Frühwarnzeichen?

Wenn Sie Ihre Frühwarnzeichen erkennen, können Sie Ihre Skills rechtzeitig erkennen!

Welche Skills sind bei welcher Spannung anzuwenden?

Ganz egal, wie hoch die Anspannung ist, zunächst ist es wichtig, die Spannung so anzunehmen, wie sie ist, und zu wissen, dass Sie sie verändern können:

Achtsamkeit ist die Basis aller Skills!

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Zugangskanäle

Was versteht man unter „Zugangskanal“?

Skills wirken über unterschiedliche „Kanäle“: Über Handlungen, über Gedanken, über die Sinne oder über den Körper. Bei den meisten Menschen sind unter Hochstress nur noch bestimmte Zugangskanäle offen.

Wenn Sie herausgefunden haben, welche Zugangskanäle bei Ihnen bei hoher Anspannung noch offen sind, wissen Sie auch, welche Skills Sie dann am besten einsetzen können.

Wie kann man Skills Zugangskanälen zuordnen?

  • Sinnesbezogene Skills: Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Spüren
    Die Spannung reduzieren, indem Sie z. B. frischen Meerrettich, saure Bonbons oder Chilischoten kauen oder den Kopf mit kaltem Wasser erfrischen.

  • Gedankenbezogene Skills: z. B. sich ablenken durch Kreuzworträtsel lösen

  • Handlungsbezogene Skills: Sport, um Spannung zu reduzieren

  • Körperbezogene Skills: Den Zustand durch Atmung verändern

(Bohus/Wolf-Arehult: Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten, 2.Aufl. Schattauer Verlag 2009, 2013)

Download Infoblatt Stresstoleranz

Besonders die Ziegen und auch die Natur am Caprahof sind eine Hilfe,
sich wieder spüren zu können.